Dieser Salzburger reist mit Worten durch den Jahreskreis
Gedichte zu schreiben, ist Georg Weigls Hobby. Seine Inspiration findet er auch in der Stadt.
Bis ins erste Grün ist es für Georg Weigl nicht weit. Direkt vor dem Wohnhaus des Gniglers lädt eine Bank zum Verweilen zwischen Wiese, Bäumen und Blumen ein. In seinen Texten hat der 77-Jährige diesen Ort nicht verewigt. Wohl aber andere in der Stadt wie etwa den Park Hellbrunn oder den Friedhof St. Sebastian. Auch der Stadt an sich hat Weigl ein Gedicht gewidmet. In „Salzburg, Rom des Nordens“ bringt er die Faszination zum Ausdruck, die Salzburg für viele hat.
„Das ist eines der ältesten Gedichte im Buch“, sagt Weigl. Im Innsalz Verlag veröffentlichte er Anfang 2025 „Von einem Tag zum andern“. Neben den über 80 Gedichten enthält das Buch auch zahlreiche Aphorismen, also in Text gefasste Gedanken oder Lebensweisheiten. Entstanden seien die Texte über die vergangenen 30 Jahre hinweg, sagt Weigl.
Social Media als moderne Form des Stammtischs
In mehrere Abschnitte unterteilt, orientieren sie sich am Jahreskreis. „Da verbinde ich die Zeit mit der Natur.“ Diese sei für ihn ein großes Thema, aber nicht das Einzige. „In vielen Texten schwingt meine christlich-humanitäre Grundstimmung mit.“ Auch gesellschaftspolitische Themen greift Weigl auf. Ein Gedicht beleuchtet die Folgen von Kriegen, ein anderes setzt sich kritisch mit neuen Technologien auseinander. „Auf Social Media ist das Niveau oft nicht besser als am Stammtisch, aber man erreicht ungleich mehr Menschen.“
Auch die Familie ist Teil des Buchs
Manchen Gedichten sind auch Fotos angefügt. „Die kommen hauptsächlich von meinen Töchtern und meiner Frau.“ Der über 50-jährigen Beziehung mit seiner Frau hat er mit „Beständige Liebe“ auch ein eigenes Gedicht im Buch gewidmet. Geschrieben habe er schon immer, sagt Weigl. „Aber mit literarischem Anspruch mache ich es erst seit Anfang der 1990er.“
Sein Antrieb bleibe schon der, mit dem Geschriebenen Leute zu erreichen. „Früher habe ich auch geglaubt, dass man damit Gedanken anstößt. Aber das ist ein illusorischer Gedanke.“ Eine Handvoll Bücher hat Weigl bereits veröffentlicht. Aktuell arbeite er an keinem neuen Werk. „Aber ich habe einen Roman geschrieben, da suche ich aber noch nach einem Verlag.“
Ein fertiger Roman liegt noch in der Schublade
Inhaltlich gehe es um den Weg eines Politikers, dessen Aufstieg und Scheitern. Es sei eine fiktive Geschichte. „Aber ich hab meine Erfahrungen als ehemaliger Bediensteter des Landes Salzburg miteinfließen lassen.“ Bis 2007 war Weigl in der Landessanitätsdirektion tätig. Generell mischt der Pensionist in seinen Texten Autobiografisches mit Fiktivem. „Beim Schreiben muss man auch über das persönliche Umfeld hinausschauen.“
Frühjahrslesung am 15. Mai
Weigl ist Teil der Gesellschaft der Lyrikfreunde. Als einer von mehreren Autorinnen und Autoren des Vereins ist er auch Teil einer Frühjahrslesung im Literaturhaus. Los geht es am 15. Mai um 19 Uhr bei freiem Eintritt.
Salzburger Nachrichten | Mai 2025
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