„Sie vertrauen dem falschen Menschen. Das werden Sie noch bitterlich bereuen!“ Auf diese Prophezeiung einer Kartenlegerin spitzt sich „Tom‘s Geschichte“ zu. Der kriminalpsychologische Entwicklungsroman mit 230 Seiten von Marion Spatzenegger wurde im Juni 2026 vom Verlag Innsalz herausgegeben.
Dieser vielschichtige Roman kann im Sinne des „Magischen Realismus“ gelesen werden, denn ein magisches Thema – die Deutung der Tarotkarten – , das sich stimmig in die Handlung einfügt, wird in eine sonst ausnahmslos reale Handlung integriert.
Toms verhängnisvolle Geschichte beginnt, als er im kleinen familiären Kreis von seiner Konsultation einer Wahrsagerin erzählt. Da hat er noch keine Ahnung davon, dass sie ihm seine gesamte Zukunft vorhergesagt hat.
Was im ersten Teil des Romans anfängt schief zu laufen und hauptsächlich aus der Sichtweise von Toms Frau Evi dargestellt wird, steigert sich schnell durch Toms falsche Entscheidungen zur Tragödie. Folgende Entwicklungen werden aus Toms Perspektive und der seines Schwiegervaters erzählt. Tom verliert seine Frau, sein Geld, sein Haus, seine Firma und seine Gesundheit. Letztendlich landet er sogar im Gefängnis.
Ab dem zweiten Teil, wieder aus Toms Wahrnehmung erzählt, wird seine dramatische Persönlichkeitsentwicklung während der Haftzeit beschrieben. Auch das anfangs nur nebenbei erwähnte Thema der Tarotkarten wird wieder aufgenommen.
Hier zeigt sich die Übereinstimmung eines klassischen Entwicklungsromans, der den charakterlichen Reifeprozess der Romanhauptfigur beschreibt mit der Heldenreise des Tarots, in der der Narr zum moralischen Helden heranreift. Diese Parallelität der Handlungsstränge ist wunderbar gelungen.
Im dritten Teil des Buches ist die Handlung etwas skurril was der durchgängigen Spannung bis zum Ende des Romans aber keinen Abbruch tut.
Der Roman ist mit einigen umgangssprachlichen Redewendungen und Ausdrücken aufgelockert, ganz die musikalische österreichische Art zu sprechen widerspiegelnd. Schauplatz der Geschichte ist eindeutig Österreich. Sämtliche Charaktere werden in ihrer psychologischen Einzigartigkeit gezeichnet.
Die Tarotkarten am Cover erschließen sich dem Leser nach und nach.
Dieser Roman ist lesenswert, unterhaltsam und empfehlenswert für Männer und Frauen mit Interesse an Familienzerwürfnissen, True Crime, Narzissmus-Persönlichkeitsstörung, Spiritualität mit einem Hauch Fantasy und den Herausforderungen des Lebens ganz allgemein.
Eine Leserin